Rede.Engel, Zusammenhalt am Starnberger See.

München 02.02.24

Spaziergang am Starnberger See: Wie diese zwei Bäume zusammengewachsen sind: Jedesmal, wenn ich seit Jahren, ab und an, daran vorbeigehe: ich staune, bin voller Demut über die Wunder der Natur.

Ganz verwachsen, als um klammerten sie sich, als hielte sich der Baum im Fallen an den anderen fest – und: sie halten ihn, er legt einen Ast um sie – sie bilden eine Einheit.Und dennoch steht jeder für sich.

Wie eine Beziehung, eine Freundschaft, eine Familie – und wie unfassbar schmerzhaft ist es, wenn ein solcher, gewachsener Verbund zerstört wird: durch den Verlust der Liebe oder durch den Tod… dann gerät alles ins Wanken. Die Balance muss neu ausgelotet werden… die eigene Standfestigkeit neu gefunden werden… und erst einmal ist der Raum um einen herum leer…oder leerer. Wer oder was hält einen dann?

Rede.Engel_Trauerrednerin Claudia Engel im Ruheraum in der Trauerhalle auf dem Bergfriedhof in Essen.

Essen 20.11.2013

Schon vor ein paar Monaten erreichte mich ein Anruf von einer Journalistin: Sie wollte ein Interview mit mir machen, über meine Arbeit als Trauerrednerin. Gesagt, getan: Hier ist der Artikel, der sich um einige der Berufe rund um das Thema „Tod, Sterben und Trauer“ dreht. Er richtet sich an Akademiker*innen aus geisteswissenschaftlichen Fächern – also Menschen wie mich – die nach dem Studium überlegen, in welchen beruflichen Umfeld sie ihr Wissen und Können einsetzen. Viel Neugier beim Lesen, wünsche ich Euch!

Gedicht Hilde Domin

Essen 04.10.2023

Mal wieder ein Gedicht.
Ein Trost- und Hoffnungsgedicht.

Und das Foto: Ein Wunder-volles Naturerlebnis in meinem Urlaub auf Terschelling – ich bin dankbar und glücklich, dass ich das erleben durfte…

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Grabmal Altstadt Friedhof Mülheim a.d.Ruhr
Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Rainer Maria Rilke, 1903 

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Auf Reisen mit dem Zug. Trauerrednerin Claudia Engel

Essen 10.06.2023

Gute Vorsätze

„Morgen“, sage ich, „morgen“!

„Übermorgen!“ sogar.

Bald ist das Leben vorüber,

ohne dass „morgen“ je war.

Mascha Kaleko
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Essen 19.05.2023

Checkliste für eine Bestattung
Hinweise und Tipps

Häufig erzählen mir Menschen, die hören, dass ich als Trauerrednerin arbeite, Geschichten, die ungefähr so gehen: „Ich war auf einer Beerdigung und da war eine Trauerredner*in – das war ganz furchtbar. In der Rede kam fast gar nichts von den verstorbenen Menschen vor, es klang wie ein Standardtext, den man für jeden hernehmen kann. Die Angehörigen waren wirklich entsetzt und traurig, über diesen unschönen letzten Abschied.“

Der letzte Abschied ist nicht zu wiederholen
Der letzte Abschied ist unwiederbringlich. Damit man für den wirklichen Trauerfall schon weiß, was man tut oder besser nicht tut, ist es gut, sich vorher schon Gedanken zu machen, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Deshalb habe ich aufgrund meiner Erfahrungen ein paar konkrete Dinge zusammengetragen.

Trauerhalle auf dem Friedhof Bochum Dalhausen. Rede.Engel
1. Augen auf bei der Wahl des Bestattungshauses

Die Auswahl des Bestattungshauses ist sehr wichtig: Mittlerweile gibt es Bestatter*in, die alteingesessenen Bestattungsunternehmen aufgekauft haben, aber den alten Firmennamen beibehalten. Also: Immer ins Impressum auf die Homepage schauen, wer der Inhaber*in des Bestattungshauses ist. Mein Rat: Unbedingt schon vor dem Ernstfall recherchieren, wohin man gehen würde. Jede Homepage ist eine gute Visitenkarte, hieran erkennen Sie schon sehr viel. Oder man fragt im Freundes- und Bekanntenkreis nach Empfehlungen.

2. Gespräche zu Lebzeiten führen

Vielleicht ist es möglich, schon zu Lebzeiten mit Ihren Eltern, Tanten etc darüber zu sprechen, wo, wie und in welcher Art sie beerdigt werden möchten. Manchmal ist ein solches Gespräch möglich und für alle Beteiligten auch erleichternd. Denn dann weiß man als Angehöriger, was gewünscht ist und muss nicht alles selbst entscheiden, wie zum Beispiel:

Welcher Friedhof? Eine Urnen- oder eine Sargbestattung? Was für eine Grabstätte: Anonymes Wiesengrab, oder ein kleines Wiesengrab mit einer Namensplatte, ein Grab in einer Urnenwand oder Seebestattung oder im Friedwald…- es gibt so unterschiedliche Gräber- und Bestattungsarten.

Und auch über die Gestaltung der Trauerfeier kann man sprechen: Soll es eine große Trauerfeier mit vielen Gästen werden? Verschicken wir eine Trauerkarte? Veröffentlichen wir eine Anzeige in der Zeitung? Soll eine bestimmte Atmosphäre herrschen, d.h. manche Menschen möchten eine eher „frohe“ Abschiedsfeier, weil sie dankbar sind für ihr Leben. Vielleicht gibt es auch Vorstellungen über die Musik, die gespielt werden soll.

Grabmal auf dem Ostfriedhof, Essen. Rede.Engel, Trauerrednerin
3. Gedanken über die Gestaltung der Trauerfeier

Ist der Todesfall eingetreten, dann überlegen Sie in Ruhe, sprechen Sie mit den anderen Angehörigen: Was für eine Trauerfeier möchten wir? Was hätte der/die Verstorbene gewollt? In welcher Atmosphäre soll die Erinnerungsfeier stattfinden?

Soll außer der Trauerrede noch etwas vorgetragen werden? Könnte noch jemand etwas sagen wollen, vielleicht etwas vorlesen (Gedicht/Brief…)? Ein Freund*in? Ein Arbeitskolleg*in? Jemand aus der Verwandtschaft?

Welche Musik soll gespielt werden? In der Regel sind drei Lieder für eine Trauerfeier üblich. Soll Livemusik gespielt werden, ein Organist oder ein anderes Instrument?

4. Zeitfenster der Trauerfeier bedenken

Überlegungen zur Dauer der Trauerfeier sind wichtig, denn man hat die Trauerhalle nur für 30 Minuten gebucht. Wenn Sie eine längere Trauerfeier möchte, dann sollten Sie darüber mit Ihrem Bestatter sprechen – es ist in der Regel gar kein Problem. Für die Trauerhalle müssen Sie Gebühren zahlen, die je nach Ort unterschiedlich sind. Der Bestatter informiert Sie über die Höhe der Gebühr.

Rede.Engel_Claudia Engel Auferstehungskirche Essen
5. Leitung der Trauerfeier

Ein Trauerredner*in leitet die gesamte Beerdigung von Anfang bis Ende. Und: Sie schreibt und hält die Trauerrede, das Herzstück einer Trauerfeier. Hier sollte der verstorbene Mensch in seinem Wesen noch einmal aufscheinen, es ist so viel mehr als ein bloßer Lebenslauf. Die Trauergäste sollen auch Trost und Hoffnung spüren.

Außerdem entwickelt die Trauerredner*in zusammen mit den Angehörigen im persönlichen Vorgespräch Ideen für die Gestaltung der Abschiedsfeier, d.h. die Musikauswahl, eventuell Rituale (Kerzenritual, wie werden Kinder einbezogen) u.v.m.. 

6. Zeit nehmen

Von daher ist entscheidend, dass Sie eine gute Wahl treffen. Denn jeder möchte sich an diese Stunde im Guten erinnern – der letzte Abschied ist wichtig, auch für die Trauerzeit danach.

Die meisten Bestatter haben ihre Trauerredner, mit denen sie seit Jahren zusammenarbeiten. Oder: Manche Bestatter bieten sich selbst an, die Rede zu schreiben, zu halten…

Gut ist es, wenn Sie selbst die Auswahl treffen, wem Sie die Leitung der Trauerfeier anvertrauen: Sie können sich Flyer von zwei, drei Rednern mitgeben lassen und dann ganz in Ruhe daheim schauen, und im Internet recherchieren, wer Ihnen am sympathischsten, am geeignetsten erscheint.

7. Kriterien für die Auswahl

Aber wie findet man eine professionelle Trauerredner*in, die individuelle Reden schreibt, die gut frei Reden kann, die ihr Handwerk versteht?

Zuerst einmal überlegen Sie kurz, ob Sie lieber einen Mann oder eine Frau als Redner*in möchten. Schauen Sie im Internet nach einer Trauerredner*in, die in Ihrem Wohnort oder in der Nähe wohnt. Schauen Sie nach dem beruflichen Hintergrund: Was hat er/sie gelernt? Was für eine Bildung und Ausbildung hat diejenige? Gibt es vielleicht bei Google Rezensionen? Wie ist die Homepage? Schreibt die Trauerredner*in individuelle Reden nach dem, was Sie im persönlichen Gespräch erzählt haben? Was erfahren Sie zu den Vorgesprächen, wieviel Zeit wird dafür veranschlagt?

Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl. Sprechen Sie mit demjenigen – am Telefon spüren Sie schon, ob Ihnen dieser Mensch sympathisch ist.

8. Kosten einer Trauerredner*in

Natürlich kostet jemand, der drei Trauerfeiern am Tag leitet, wenig. Aber das geht nur, wenn er den Text nur graduell abändert, d.h. Namen und Datum, Anzahl der Kinder etc. auswechselt und ansonsten immer denselben Text spricht. Dementsprechend kurz ist auch das Vorgespräch. Solche Redner kosten um die 200, 300 Euro.

Ein guter Trauerredner*in ist acht, neun Stunden beschäftigt für eine Beerdigung: In der Regel zwei Stunden Vorgespräch, vier Stunden für das Schreiben und Einüben der Rede, eineinhalb bis zwei Stunden für die Beerdigung. Dazu kommen die An- und Abfahrtswege.

Als Freiberufler muss man seine Krankenkasse, Rente und die Steuer zahlen, es gibt keinen bezahlten Urlaub oder Krankheitstage. Außerdem bringt man eine fundierte Ausbildung mit, die einen überhaupt erst befähigt, diesen Beruf auszuüben.

Von daher ist das absolute Minimum für einen professionellen, selbständigen Redner im Ruhrgebiet bei 400 bis 450 Euro – in anderen Regionen liegt dieser Betrag weitaus höher. Wenn Sie kurz überlegen, werden Sie merken, wie gering der Stundenlohn damit ist. Aber: man kann gerne mehr bezahlen – machen Angehörige tun das auch, weil sie sehen, welche Arbeit eine gute Trauerredner*in leistet.

9. Budget verteilen

Also müssen Sie entscheiden, wie viel Geld Ihnen eine würdevolle, individuelle Trauerfeier Wert ist, und worauf Sie eventuell auf verzichten können, um für das, was wirklich in Erinnerung bleibt – das Vorgespräch, die gesamte Atmosphäre, die Gestaltung der Erinnerungsfeier und die Rede – mehr Geld zur Verfügung zu haben. Fragen wären zum Beispiel: Wieviel Blumenschmuck braucht es? Der Sarg, die Urne – wie wichtig ist das am Ende?

Es ist auch hier nicht anders, wie bei anderen Entscheidungen im Leben: Man sollte sich überlegen, was man möchte, was einem wichtig ist und dementsprechend sein Budget verteilen. Im Angesicht der Endsumme, die ein Bestattungsinstitut in Rechnung stellt, ist es fraglich, ob man am Herzstück einer Beerdigung 100 Euro sparen möchte.

Ein Hinweis: Und wenn jemand wirklich wenig Geld hat, dann ist sicher jeder Trauerredner*in sofort bereit, über seinen Preis zu reden – daran soll eine würdige Bestattung wirklich nicht scheitern.

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Veranstaltung im Essener Dom

Essen 29.04.2023

Raum für Risse: Ein Spiritueller Abend zu Trauer, Trost und Aufbruch. 

Im Essener Dom, veranstaltet von der katholischen und evangelischen Kirche.

Ich habe diese Veranstaltung im Februar besucht und bin sehr angetan: Das ist eine wunderbare Möglichkeit, um inne zu halten, neue Impulse zu bekommen und Hoffnung zu schöpfen. Und zwar ganz losgelöst von dem, was man als Gottesdienst im Kirchenraum gewöhnt ist! Es ist wirklich vollkommen egal, was und ob man glaubt. Vier ganz unterschiedliche Menschen, auch eine Trauerbegleiterin war darunter, haben diese gute Stunde mit unterschiedlichen Angeboten verteilt in dem Kirchenraum gestaltet, ein Organist hat gespielt … eine ruhige Atmosphäre…neue Impulse…Kraft schöpfen im Loslassen… in die Ruhe kommen… bereichernd! Also unbedingt weitersagen!
Leider findet dieser Raum für Risse nur einmal im Quartal statt. Die Termine 2024 sind: 01.03.,24.05., 30.08., 08.11. – 19:00 Uhr
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Hinterzimmer im Altstadtfriedhof Mülheim, Rede.Engel

Essen 02.04.2023

Hinterzimmer

Als Trauerredenerin komme ich immer auch in die „Hinterzimmer“ der Trauerhallen – und diese Räume haben ihren jeweils eigenen Charme. Der Raum auf diesem Foto befindet sich auf dem Altstadt Friedhof Mülheim…
Wenn ihr mehr solcher Räume und die dazugehörigen Trauerhallen sehen möchtet: die poste ich bei Instagram: Claudia Engel: Rede.Engel. und auf meiner Homepage: www.redeengel.de

Und tatsächlich war die Trauerfeier in Mülheim eine ganz besondere: Die Verstorbene war von ihrem Ehemann umgebracht worden. Der Mann hat eine Psychose…
Die Unbegreiflichkeit, die Fassungslosigkeit aushalten und Worte finden – meine herausfordernde Aufgabe.
Zusammen mit dem Bestatter habe ich eine würdige Trauerfeier gestaltet und geleitet: Durch meine Rede fanden die Anghörigen Ruhe und konnten diesen schweren Weg angemessen gehen, so war ihre Rückmeldung an mich.

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Rede.Engel_Claudia Engel_Frühling

Essen 13.02.2023

Der erste Frühlingstag! Wie gut die Sonne, die Wärme, das Vogelgezwitscher mir tut! Und ich habe die erste Biene gesehen auf den Krokussen.
Ach, die Welt ist der Wunders so voll…

Er ist’s 

Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804-1875). 

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Gedicht Gottfried Benn, Rede.Engel, Trauerrednerin

Essen 09.02.2023

Ein Gartengruß.

Ein Sonnengruß.

Eine Hoffnungsgruß.

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Essen 13.01.2023

Eine ganz besondere Trauerfeier

Heute möchte ich Euch von einer Trauerfeier berichten, weil sie wirklich besonders war. Besonders von dem Anspruch, von dem Ort und der Haltung der Angehörigen, die dahinterliegt.

Ein ehemaliger Lehrer meines Gymnasiums in Essen ist verstorben, ich war vor 40 Jahren in seiner Theatergruppe, der Kontakt zu ihm nie ganz abgerissen. Sein Wunsch und der seiner Familie war es, dass ich die Trauerfeier leite. Eine Herausforderung, emotional und fachlich – nach einigen Überlegungen und Telefonaten mit Freundinnen, die den Verstorbenen ebenfalls gut kannten, habe ich mich dazu entschieden, dem Wunsch zu entsprechen.

Augen auf bei der Wahl des Bestatters
Zum Glück hatte die Familie einen Bestatter, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann: Bestattungsinstitut Kordt aus Bochum (www.bestattungenkordt.de). Mit aller Ruhe, Einfühlungsvermögen und Flexibilität konnte die Familie all ihre Wünsche umsetzen. Und auch ich fand in Herrn Kordt und seinen Mitarbeitern verlässliche Ansprechpartner für die Organisation der Trauerfeier.

Es finden sich Lösungen
Die Trauerfeier konnte in der Auferstehungskirche in Essen stattfinden, entsprechend dem Wunsch des Verstorbenen, der Mitglied in der evangelischen Kirche war, aber kein rein christliches Begräbnis wollte. Möglich wurde es, weil der katholischer Priester Gary Albrecht, ein Freund der Tochter, die Feier begleitete und auch ein Gebet sprach.
Für mich ist diese Kirche mit vielen Erinnerungen verknüpft: Ich bin gegenüber der Kirche groß geworden, Kindergottesdienste, meine Konfirmation, das tägliche Glockengeläut… und nun stand ich hier als Trauerrednerin.

Meine Trauerrede
Nach dem mehrstündigen Gespräch mit der Familie sah ich mich vor die Aufgabe gestellt: Die Beiträge anderer Trauergäste – fünf Live-Musikstücke und zwei Wortbeiträge – sowie drei Musikstücke vom Band und ein gewünschtes Gedicht zu einem Ablauf zusammenzufügen. Und das hieß konkret: Wer spielt welches Lied, wie ist der Liedtext, wie lang ist der Song etc…? Also: Viele Telefonate, E-Mails, WhatsApp…

Meinen Text schreiben – es konnten in diesem Fall immer nur größere Textabschnitte sein, ich muss die Beiträge/Personen anmoderieren, sie müssen inhaltlich zu meinem Gesagten passen, alles muss ineinanderfließen… Und: Was sage ich an der Grabstelle? Welches Gedicht würde passen, ist adäquat?

Ein Prozess, der viel Zeit brauchte – aber am Ende stand ein Ablauf, ein Text, der in sich stimmig war, der das Leben, Wirken und die Persönlichkeit des Verstorbenen widerspiegelte.

Die Trauerfeier
Viele Menschen kamen zu der Beerdigung, der Verstorbene war eine bekannte Persönlichkeit über Essen hinaus, der Kirchenraum war gefüllt, und es herrschte eine konzentrierte und ruhige Stimmung. Über eineinhalb Stunden wurde an den Verstorbenen gedacht, sehr persönlich, sehr würdevoll, es gab Zeiten der Stille, der Tränen und auch Momente des Lächelns …

Und auch der Weg von der Trauerhalle des Ostfriedhofes zur Grabstelle war besonders: Freunde und sieben Enkelkinder zogen den Sargwagen, gingen neben ihm her, und so begleitete sie ihren Opa zu seiner letzten Ruhestätte. Ganz selbstverständlich durften sie sich in aller Ruhe von ihm am Grab verabschieden, von niemanden angehalten oder bedrängt.

Resonanz
Ich habe sehr viele Rückmeldungen von der Familie und den Trauergästen bekommen: „Sie haben das wunderbar gemacht. Es war eine schöne Beerdigung – wenn man das so sagen darf…“, sagte beispielsweise eine Dame hinterher zu mir.
I
ch bin dankbar, dass es mir gelungen ist, eine Trauerfeier zu gestalten und zu leiten, die die Familie des Verstorbenen und die Trauergäste als angemessen empfunden haben. Es hat mich tief bewegt, dass Menschen von meinen Worten, von dem gesamten Ablauf berührt waren, und dass sie dankbar dafür waren. 

Für mich ist diese Beerdigung eine Bestätigung meiner Vorstellungen für eine würdige Abschiedsfeier: Ganz individuell, mit aller Zeit und Ruhe, die es braucht. 

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Schuberts Winterreise, Trauerrednerin Claudia Engel

Essen 06.01.2023

Auf ein Neues! Mit guten Vorsätzen oder ohne Vorsätze, schaun wir mal, was 2023 uns bringt…nur das Träumen dürfen wir nie vergessen, die Blumen im Winter.

Ich habe für Euch die letzte Blüte in meinem Schrebergarten fotografiert – ein Löwenmäulchen. Und dazu ein Buchtipp: „Lob der Erde. Eine Reise in den Garten“, von Byung-Chul Han.

Eine Liebeserklärung an die Schöpfung, ein entschlossener Gegenentwurf zur digitalen Welt. Als Professor für Philosophie und Kulturwissenschaft hat Byung-Chul Han drei Jahre lang einen geheimen Garten in Berlin aufgebaut, wovon er in seinem Gartentagebuch erzählt: er philosophiert und meditiert über sein verändertes Zeitgefühl, über Geduld und Hoffnung, über Leben und Sterben… – wirklich ein berührendes Buch.

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Trauerredner: Die Kunst Texte zu schreiben. Rede.Engel

Essen 09.12.2022

Das Gedicht von Erich Fried:Ein schöner Text für die Angehörigen, für trauernde Menschen. Und: Ein schöner Text für mich als Trauerrednerin – die Suche nach den Worten, das Verweben von Sätzen – damit ein Ganzes daraus wird – eine Rede, die das Wesen des verstorbenen Menschen widerspiegelt und die Hinterbliebenen töstet – im besten Fall!

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Essen 05.12.2022

Tagung: Trauerrituale

Bei der Tagung in Der Wolfsburg „Trauerrituale“ konnte ich viele Impulse mitnehmen.
Berichten möchte ich heute von dem Vortrag von Elsa Romfeld, Medizinphilosophin an der Medizinischen Fakultät Mannheim, „Den Tod gut im Leben verorten – Erinnerungen an unseren Umgang mit der Sterblichkeit“. Schaut man sich die Entwicklung des Umgangs mit Sterben und Tod, mit Trauerritualen im Laufe der Menschheitsgeschichte an, wird ganz offensichtlich, was verloren gegangen ist: Der Tod gehörte ganz selbstverständlich zum Leben, dort hatte er seinen festen Platz, Trauer und Trauerrituale waren normaler Bestandteil des Lebens: Zwei Seiten einer Medaille. Beginnend mit der Aufklärung und dem Diktum: Wir machen uns zum Herrscher über die Natur (Tod, Körper…) wurde der Tod immer weiter verdrängt.

Rede.Engel_Tagung Wolfsburg

Schaut man sich die Entwicklung des Umgangs mit Sterben und Tod, mit Trauerritualen im Laufe der Menschheitsgeschichte an, wird ganz offensichtlich, was verloren gegangen ist: Der Tod gehörte ganz selbstverständlich zum Leben, dort hatte er seinen festen Platz, Trauer und Trauerrituale waren normaler Bestandteil des Lebens: Zwei Seiten einer Medaille. Beginnend mit der Aufklärung und dem Diktum: Wir machen uns zum Herrscher über die Natur (Tod, Körper…) wurde der Tod immer weiter verdrängt. 

Doch je mehr die Menschen die Sphäre des Todes aus dem Leben absondern, desto unlebbarer wird ihre Existenz.“ (Giorgio Agamben). Denn es fehlt die innere Balance, das Gleichgewicht, es kommt zu einer Unsicherheit, die das eigene Leben durchzieht. Deshalb wächst ein großes Bedürfnis nach Kontrolle und vermeintlicher Sicherheit: Versicherungen, Technokratie, Selbstoptimierung, Ökonomisierung – um nur ein paar Stichpunkte zu nennen. Das Streben nach der Planbarkeit des Anfangs und des Endes des Lebens geht immer weiter. Aber die Machbarkeit des Lebens sowie die Planung des eigenen Sterbens ist eine Illusion, die krank macht. Das Leben in seiner Komplexität ist nicht vorhersehbar, nicht abzusichern. Wenn wir den Tod wieder ins Leben reintegrieren, können wir die Wunde heilen. 

Und dazu gehören auch Abschiedsrituale, als Würdigung des Toten und für die Gesundheit der Lebenden. Dafür braucht es Zeit und Räume. Es gibt – zum Glück – immer mehr alternative Bestatter, die gute Begleiter für die Angehörigen sind und die all ihr Wissen um den Sinn und die Wichtigkeit eines guten Abschieds einbringen. 
Und deshalb mein Rat bei einem Trauerfall: Nehmen Sie sich Zeit, um einen solchen Bestatter zu finden!

Elsa Romfeld, M.A., geb. 1975, ist seit 2008 Akademische Mitarbeiterin im Fachgebiet Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Studium der Philosophie, Germanistik, Psychologie und Pädagogik an den Universitäten Braunschweig und Konstanz.  Mehr zu Elsa Romfeld.

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Claudia Engel • Weißdornweg 10 • 45133 Essen • Tel. 0171/1938252 • info@redeengel.de
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