Essen 13.01.2023

Eine ganz besondere Trauerfeier

Heute möchte ich Euch von einer Trauerfeier berichten, weil sie wirklich besonders war. Besonders von dem Anspruch, von dem Ort und der Haltung der Angehörigen, die dahinterliegt.

Ein ehemaliger Lehrer meines Gymnasiums in Essen ist verstorben, ich war vor 40 Jahren in seiner Theatergruppe, der Kontakt zu ihm nie ganz abgerissen. Sein Wunsch und der seiner Familie war es, dass ich die Trauerfeier leite. Eine Herausforderung, emotional und fachlich – nach einigen Überlegungen und Telefonaten mit Freundinnen, die den Verstorbenen ebenfalls gut kannten, habe ich mich dazu entschieden, dem Wunsch zu entsprechen.

Augen auf bei der Wahl des Bestatters
Zum Glück hatte die Familie einen Bestatter, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann: Bestattungsinstitut Kordt aus Bochum (www.bestattungenkordt.de). Mit aller Ruhe, Einfühlungsvermögen und Flexibilität konnte die Familie all ihre Wünsche umsetzen. Und auch ich fand in Herrn Kordt und seinen Mitarbeitern einen verlässlichen Ansprechpartner für die Organisation der Trauerfeier.

Es finden sich Lösungen
Die Trauerfeier konnte in der Auferstehungskirche in Essen stattfinden, entsprechend dem Wunsch des Verstorbenen, der Mitglied in der evangelischen Kirche war, aber kein rein christliches Begräbnis wollte. Möglich wurde es, weil der katholischer Priester Gary Albrecht, ein Freund der Tochter, die Feier begleitete und auch ein Gebet sprach.
Für mich ist diese Kirche mit vielen Erinnerungen verknüpft: Ich bin gegenüber der Kirche groß geworden, Kindergottesdienste, meine Konfirmation, das tägliche Glockengeläut… und nun stand ich hier als Trauerrednerin.

Meine Trauerrede
Nach dem mehrstündigen Gespräch mit der Familie sah ich mich vor die Aufgabe gestellt: Die Beiträge anderer Trauergäste – fünf Live-Musikstücke und zwei Wortbeiträge – sowie drei Musikstücke vom Band und ein gewünschtes Gedicht zu einem Ablauf zusammenzufügen. Und das hieß konkret: Wer spielt welches Lied, wie ist der Liedtext, wie lang ist der Song etc…? Also: Viele Telefonate, E-Mails, WhatsApp…

Meinen Text schreiben – es konnten in diesem Fall immer nur größere Textabschnitte sein, ich muss die Beiträge/Personen anmoderieren, sie müssen inhaltlich zu meinem Gesagten passen, alles muss ineinanderfließen… Und: Was sage ich an der Grabstelle? Welches Gedicht würde passen, ist adäquat?

Ein Prozess, der viel Zeit brauchte – aber am Ende stand ein Ablauf, ein Text, der in sich stimmig war, der das Leben, Wirken und die Persönlichkeit des Verstorbenen widerspiegelte.

Die Trauerfeier
Viele Menschen kamen zu der Beerdigung, der Verstorbene war eine bekannte Persönlichkeit über Essen hinaus, der Kirchenraum war gefüllt, und es herrschte eine konzentrierte und ruhige Stimmung. Über eineinhalb Stunden wurde an den Verstorbenen gedacht, sehr persönlich, sehr würdevoll, es gab Zeiten der Stille, der Tränen und auch Momente des Lächelns …

Und auch der Weg von der Trauerhalle des Ostfriedhofes zur Grabstelle war besonders: Freunde und sieben Enkelkinder zogen den Sargwagen, gingen neben ihm her und so begleitete sie ihren Opa zu seiner letzten Ruhestätte. Ganz selbstverständlich durften sie sich in aller Ruhe von ihm am Grab verabschieden, von niemanden angehalten oder bedrängt.

Resonanz
Ich habe sehr viele Rückmeldungen von der Familie und den Trauergästen bekommen: „Sie haben das wunderbar gemacht. Es war eine schöne Beerdigung – wenn man das so sagen darf…“, sagte beispielsweise eine Dame hinterher zu mir.
I
ch bin dankbar, dass es mir gelungen ist, eine Trauerfeier zu gestalten und zu leiten, die die Familie des Verstorbenen und die Trauergäste als angemessen empfunden haben. Es hat mich tief bewegt, dass Menschen von meinen Worten, von dem gesamten Ablauf berührt waren, und dass sie dankbar dafür waren. 

Für mich ist diese Beerdigung eine Bestätigung meiner Vorstellungen für eine würdige Abschiedsfeier: Ganz individuell, mit aller Zeit und Ruhe, die es braucht. 

Essen 06.01.2023

Auf ein Neues! Mit guten Vorsätzen oder ohne Vorsätze, schaun wir mal, was 2023 uns bringt…nur das Träumen dürfen wir nie vergessen, die Blumen im Winter.

Ich habe für Euch die letzte Blüte in meinem Schrebergarten fotografiert – ein Löwenmäulchen. Und dazu ein Buchtipp: „Lob der Erde. Eine Reise in den Garten“, von Byung-Chul Han.

Eine Liebeserklärung an die Schöpfung, ein entschlossener Gegenentwurf zur digitalen Welt. Als Professor für Philosophie und Kulturwissenschaft hat Byung-Chul Han drei Jahre lang einen geheimen Garten in Berlin aufgebaut, wovon er in seinem Gartentagebuch erzählt: er philosophiert und meditiert über sein verändertes Zeitgefühl, über Geduld und Hoffnung, über Leben und Sterben… – wirklich ein berührendes Buch.

Trauerredner: Die Kunst Texte zu schreiben

Essen 09.12.2022

Das Gedicht von Erich Fried:Ein schöner Text für die Angehörigen, für trauernde Menschen. Und: Ein schöner Text für mich als Trauerrednerin – die Suche nach den Worten, das Verweben von Sätzen – damit ein Ganzes daraus wird – eine Rede, die das Wesen des verstorbenen Menschen widerspiegelt und die Hinterbliebenen töstet – im besten Fall!

Essen 05.12.2022

Bei der Tagung in Der Wolfsburg „Trauerrituale“ konnte ich viele Impulse mitnehmen.
Berichten möchte ich heute von dem Vortrag von Elsa Romfeld, Medizinphilosophin an der Medizinischen Fakultät Mannheim, „Den Tod gut im Leben verorten – Erinnerungen an unseren Umgang mit der Sterblichkeit“.

Schaut man sich die Entwicklung des Umgangs mit Sterben und Tod, mit Trauerritualen im Laufe der Menschheitsgeschichte an, wird ganz offensichtlich, was verloren gegangen ist: Der Tod gehörte ganz selbstverständlich zum Leben, dort hatte er seinen festen Platz, Trauer und Trauerrituale waren normaler Bestandteil des Lebens: Zwei Seiten einer Medaille. Beginnend mit der Aufklärung und dem Diktum: Wir machen uns zum Herrscher über die Natur (Tod, Körper…) wurde der Tod immer weiter verdrängt.

Doch je mehr die Menschen die Sphäre des Todes aus dem Leben absondern, desto unlebbarer wird ihre Existenz.“ (Giorgio Agamben). Denn es fehlt die innere Balance, das Gleichgewicht, es kommt zu einer Unsicherheit, die das eigene Leben durchzieht. Deshalb wächst ein großes Bedürfnis nach Kontrolle und vermeintlicher Sicherheit: Versicherungen, Technokratie, Selbstoptimierung, Ökonomisierung – um nur ein paar Stichpunkte zu nennen. Das Streben nach der Planbarkeit des Anfangs und des Endes des Lebens geht immer weiter. Aber die Machbarkeit des Lebens sowie die Planung des eigenen Sterbens ist eine Illusion, die krank macht. Das Leben in seiner Komplexität ist nicht vorhersehbar, nicht abzusichern. Wenn wir den Tod wieder ins Leben reintegrieren, können wir die Wunde heilen.

Und dazu gehören auch Abschiedsrituale, als Würdigung des Toten und für die Gesundheit der Lebenden. Dafür braucht es Zeit und Räume. Es gibt – zum Glück – immer mehr alternative Bestatter, die gute Begleiter für die Angehörigen sind und die all ihr Wissen um den Sinn und die Wichtigkeit eines guten Abschieds einbringen.
Und deshalb mein Rat bei einem Trauerfall: Nehmen Sie sich Zeit, um einen solchen Bestatter zu finden!

Elsa Romfeld, M.A., geb. 1975, ist seit 2008 Akademische Mitarbeiterin im Fachgebiet Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Studium der Philosophie, Germanistik, Psychologie und Pädagogik an den Universitäten Braunschweig und Konstanz. Mehr zu Elsa Romfeld.


Essen 09.11.2022

„Rituale in der Trauerarbeit“, eine Fachtagung nächste Woche, an der ich teilnehmen werde. Veranstaltet werden diese zwei Tage von der katholischen Akademie Die Wolfsburg. 
Rituale und Traditionen helfen, Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen. Da die christlichen Bräuche immer mehr an Bedeutung verlieren, gibt es neue Symbolhandlungen. Wir Trauerredner verwenden je nach Wunsch der Angehörigen unterschiedliche Rituale. Die Tagung beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedürfnisse, Formen, Rituale und Orte des Abschiedsnehmens und Trauern es für die Angehörigen und auch für die Sterbenden heute gibt. Ich bin gespannt, was ich erfahre und später in meine Arbeit integrieren kann – das Thema liegt mir sehr am Herzen, auch weil ich oft eine Leerstelle bei den Trauerfeiern empfinde, wenn es kein gemeinschaftliches Ritual gibt.

Referentinnen sind:
David Roth, Berater und Trauerbegleiter;
Mechthild Schroeter-Rupieper, Lava – Institut für Familientrauerbegleitung;
Elsa Romfeld, Medizinphilosophin, alternative Bestatterin u.w.
(Infos unter: www.die-wolfsburg.de)


Essen 01.08.2022

Drei Wochen Ferien sind vorbei. Erholsame und sonnige Tage in den österreichischen Bergen, die mir Kraft geben für all die Trauerfeiern, die da kommen werden. Das Wandern in der Stille, das Eintauchen in die Natur mit all ihren zu entdeckenden Wundern – hier tanke ich auf und finde Ruhe und Gelassenheit, die mir im geschäfitgen Treiben des Alltags manchmal abhanden kommt.

Eine Buchempfehlung bringe ich aus dem Urlaub mit:
TrauerReden. Leitfaden für Traueransprachen, von Birgit Aurelia Janetzky.

Ein Buch aus der Reihe Praxisratgeber für Bestatter – also ein Fachbuch für Trauerrednerinnen und Trauerredener. Übersichtlich, klar gegliedert und leicht verständlich schreibt Janetzky zu allen Themen des Berufes: Von der Trauerfeier, dem Gespräch mit den Angehörigen über das Verfassen der Trauerrede bis hin zu praktischen Fragen wie zum Beispiel das Urheberrecht.

Dabei ist die Autorin, studierte Theologin, selbst seit über 20 Jahren als freie Trauerrednerin in Freiburg tätig, bildet Menschen zu Trauerrednern aus (trauerreden-campus.de) und schreibt als Fachautorin über Themen der Bestattungskultur. Besonders gefällt mir ihr umfassender, weitsichtiger und reflektierter Blick auf das Thema Trauerreden. Dieses Buch sollte jeder gelesen haben, der professionell Trauerreden verfasst und hält! (Infos zur Autorin und Ihrer Arbeit: www.trauerreden-freiburg.de).

Essen 20.06.2022

Ich möchte meinen Blog mit einer Buchempfehlung starten:Tausend Tode. Über Trauer reden. Von Gesine Palmer. 
Gesine Palmer ist seit 2007 mit ihrem „Büro für besondere Texte“ selbständig und arbeitet als Trauerrednerin in Berlin. Palmer reflektiert über das Sterben, den Tod, ihr eigenes Leben und ihre Arbeit. Es sind essayhafte Texte, sie selbst beschreibt ihren Stil im Epilog des Buches: „…in den Landschaften und Seelenberichten, dem Anekdotischen, Zitierten und Verästelten…“. 
Wirklich lesenswert und eine Bereicherung für alle, die sich wagen „gemeinsam ein paar Schritte in die Gegenden zu tun, die wir als Hoheitsgebiet des Todes üblicherweise vermeiden.“ (G.Palmer, S.8). Zur Homepage der Autorin geht es hier: www.gesine-palmer.de


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